27.11.2025 | Rund 20 Besucherinnen und Besucher fanden sich am Abend des 25. November im „Denkraum“ des DGB-Hauses in Darmstadt ein, um eine besondere Facette politischen Widerstands zu diskutieren: Musik als Werkzeug der Befreiung, als Stimme der Unterdrückten, als poetische Waffe gegen Diktaturen.
| Darmstadt | 25.11.2025 | Tom Kehrbaum, Geschäftsführer und Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Darmstadt, eröffnete den Abend mit einem programmatischen Gedanken: Wer über Widerstand spricht, darf nicht nur die klassischen Formen betrachten. Widerstand ist immer auch sinnlich, kreativ und kulturell. Und kaum ein Medium schafft es, politische Botschaften so tief ins Herz zu tragen wie Musik. Genau deshalb sei dieser Abend bewusst „ein Abend für die Sinne“ – ein Abend, der die politische Kraft von Melodie und Text sichtbar macht.
Tschechoslowakei: Poetische Lieder gegen die Normalisierung
Die erste Referentin des Abends, Jana Kehrbaum, nahm das Publikum mit in die Tschechoslowakei unter dem kommunistischen Regime – und damit in denselben politischen Kampf gegen die Unterdrückung von Menschlichkeit, der das 20. Jahrhundert in vielen Ländern prägt. Jana wuchs selbst in der Tschechoslowakei auf und hörte schon als Kind die leisen, aber mutigen Stimmen des musikalischen Widerstands. Sie schilderte eindrucksvoll, wie Musik dort zu einem Resonanzraum für Mut wurde: heimlich kopierte Kassetten, Lieder, die in Wohnzimmern zirkulierten, und Texte, die Hoffnung stifteten. Sie stellte u. a. vor:
Jana machte deutlich: Diese Lieder waren keine bloße Unterhaltung, sondern geheime Botschaften der Solidarität. Sie halfen Menschen, sich nicht allein zu fühlen. Sie gaben ihnen Hoffnung und machten Mut – und sie trugen dazu bei, dass 1989 die Samtene Revolution möglich wurde.
Brasilien: Musik gegen Folter, Zensur und Militärherrschaft
Die zweite Referentin, Vera Bandmann, nahm die Zuhörerinnen und Zuhörer mit nach Brasilien unter der Militärdiktatur. Fast zwei Jahre lebte sie dort Anfang der 2000er Jahre, lernte die Kultur in ganz unterschiedlichen Regionen kennen. Sie studierte und arbeitete dort unter anderem auch in Armutsvierteln. Sie brachte nicht nur Wissen, sondern Klangfarben, Geschichten und Emotionen mit. In ihrer Präsentation ging es um Künstlerinnen und Künstler wie:
Vera zeigte eindrucksvoll, wie widerständige Musik in Brasilien nicht nur kritisierte, sondern gleichzeitig Hoffnung organisierte. Sie war Kommunikationsmittel, Solidaritätsform, kulturelles Gedächtnis – und sie begleitete eine Gesellschaft, die 1985 letztlich die Militärdiktatur abschüttelte.
Widerstand mit Stimme, Rhythmus und Poesie
Der Abend machte eindrucksvoll sichtbar, warum Musik gerade in Diktaturen so bedeutsam ist: Wo das Sprechen - insbesondere die politische Sprache - kontrolliert wird, kommt die Musik zu Wort. Künstlerinnen und Künstler finden eine Ausdrucksweise, die von der Zensur oft unerkannt bleibt. Und trotzdem decken diese in der gemeinsamen Interpretation Machtmechanismen, Willkür, Lügen und Gewalt auf. Musik schafft zudem Gemeinschaft, Mut und Handlungsfähigkeit. Sie öffnet Räume, in denen Menschen spüren: Wir sind nicht allein.
Die Beispiele aus der Tschechoslowakei und Brasilien zeigten: Widerstand ist nie nur politisches Handeln – er ist immer auch kulturelle Kreativität. Und manchmal beginnt er mit einem Lied, einer Melodie, einem poetischen Bild.
Fazit: Ein Abend, der nachhallt
Der Abend bot nicht nur Wissen, sondern Atmosphäre, Sinnlichkeit und zahlreiche Aha-Momente. Man spürte, wie ernst und zugleich lebensnah kultureller Widerstand sein kann. Und man erlebte, welche Kraft Musik für Menschen hat, die unterdrückt werden – und welche Verantwortung Kunst in Zeiten politischer Bedrohungen trägt.
Die IG Metall Darmstadt bedankt sich herzlich bei allen Teilnehmenden und ganz besonders bei den beiden Referentinnen für ihre Authentizität, ihre Expertise und ihre große persönliche Offenheit.
Der Abend zeigte: Widerstand ist vielstimmig. Und manchmal singt er.